Unser Konzert in Schotten - Foto und Bericht von Elfriede Maresch,
erschienen im Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg am 13.11.2019:




„Was Poths sich selbst an der Orgel abverlangt, verlangt er auch von uns!“ – das Vokalensemble Br8tett mit seinem Leiter (ganz links)

 

Schotten (em). Zu einem Orgel- und Chorkonzert konnte der Pfarrer der katholischen Herz Jesu-Gemeinde, Christoph Hinke, das Vokalensemble Br8tett und dessen Leiter, den Kirchenmusiker Michael Harry Poths begrüßen. Poths ist in Schotten aufgewachsen, hat seinen ersten Orgelunterricht an der Wegmann-Orgel in der Liebfrauenkirche gehabt und in letzter Zeit die Herz Jesu-Gemeinde bei Reparaturarbeiten an ihrer Orgel beraten. Er ist vielseitig als Kirchenmusiker und Chorleiter in Wetzlar und Biebertal tätig. 2012 erfüllte er den Wunsch engagierter Sängerinnen und Sänger, zum Teil selbst Leiter örtlicher Chöre, nach einem kleineren Projekt-Ensemble mit besonders anspruchsvollem Repertoire - so entstand Br8tett. Die acht Mitwirkenden sind Jutta Schäfer und Astrid Aillaud (Sopran), Heike Diehl und Renate Metke (Alt), Werner Metke und Hans Aillaud (Tenor)und Jörg Diehl und Thorsten Thamke (Bass). Alle stammen aus dem Ortsteil Bracht der Gemeinde Rauschenberg, daher der Name.

„Wie der Hirsch nach frischem Wasser…“ - mit einer vierstimmigen Psalmvertonung Palestrinas als erster in einer Reihe von drei a cappella-Chorsätzen begann das Vokalensemble. Eine zweite Motette „Unsere Trübsal“, vertont von Johann Ludwig Bach in feinem Zusammenklang der Stimmen folgte. Dann ein Sprung in die musikalische Romantik mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Motette „Richte mich, Gott“. Das Ensemble vollzog die klangliche Textausdeutung einfühlsam nach, etwa mit dem Aufstrahlen der Stimmen bei „…sende dein Licht und deine Wahrheit“. Ein virtuoses Stück ist Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge in e-moll“, bei dem Poths an der Orgel reiches Stimmenspiel entfaltete.

Das Br8tett-Repertoire schließt auch Zeitgenössisches ein, zieht keine strenge Trennung zwischen E- und U-Musik. So brachte Br8tett Udo Jürgens´ „Ihr von morgen“ tatsächlich als „Hymne an die Zukunft“ mit einem Hauch von Frische, Aufbruchstimmung, Vision. Das Traditional „Ol´man River“ folgte in einem reizvollen Arrangement, wo die Männerstimmen vor dem Summchor der Frauen hervortraten. Verhalten folgte „May it be“ von Enya, diesmal von Poths am E-Piano begleitet.

Der Kirchenmusiker betonte beim ersten Satz von Johann Sebastian Bachs Trio-Sonate G-Dur den Vivace-Charakter und spielte mit beschwingter Leichtigkeit. Totos „Africa“ wurde mit raumfüllendem Klang gesungen, mit Beatboxing und der E-Piano-Begleitung rhythmisch ausgestaltet. „Angels“ von Robbie Williams folgte in einem verzierten Arrangement, Leonard Cohens „Hallelujah“ beschloss diesen Block.

Eine charakteristische Komposition französischer Orgelmusik des 19. Jahrhunderts ist Alexandre Guilmants „Finale aus der Sonate F-Dur opus 89, Nummer 7“, symphonisch, wandlungsreich und mit eindrucksvollem Schluss. „Was er sich selbst an der Orgel abverlangt, verlangt er auch von uns“ war der verschmitzte Kommentar von Br8tett. „Far over the misty mountains cold“ – das Vokalensemble gab der Komposition aus dem „Herr der Ringe“-Vorgängerfilm „The Hobbit“ mit dem Vortreten der einzelnen Stimmgruppe vor einem Summchor und den Soli von Thorsten Thamke etwas Geheimnisvolles. Ein Gospel „Wonderful, merciful Saviour“ folgte mit einer kreativen E-Piano-Begleitung von Poths. Zwei schöne abendliche Kompositionen setzten den Schlusspunkt, Joseph Gabriel Rheinbergers farbenreiches Abendlied und John Rutters „The Lord bless you and keep you“. „Sie haben uns gezeigt, was man mit acht Stimmen alles machen kann“ dankte Pfarrer Hinke. Michael Poths war es wichtig, auf die dringende Reparaturbedürftigkeit der Orgel-Elektrik hinzuweisen. Auf die Gemeinde kommt damit eine große Aufgabe zu. Mit dem „Irischen Segen“ als Zugabe verabschiedeten sich die Gäste.